Ein verlässlicher Überblick ist die Grundlage jeder Entscheidung über Schulden – unabhängig davon, ob Sie mit Gläubigern verhandeln, eine Beratungsstelle aufsuchen oder ein Insolvenzverfahren prüfen möchten. Diese Checkliste beschreibt, welche Unterlagen dafür üblicherweise hilfreich sind und wie Sie sie sinnvoll ordnen. Sie bezieht sich auf Deutschland; in Österreich und der Schweiz gelten teilweise andere Regeln und andere Bezeichnungen.
1. Unterlagen zu den Forderungen
Sammeln Sie zu jeder offenen Forderung alles, was Sie dazu finden. Das können sein:
- Rechnungen, Verträge und Bestellbestätigungen,
- Mahnungen und Zahlungserinnerungen,
- Schreiben von Inkassounternehmen,
- Kündigungen von Verträgen durch den Anbieter,
- Mahnbescheide, Vollstreckungsbescheide, Urteile und Vollstreckungsankündigungen,
- Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse, Schreiben von Gerichtsvollziehern,
- bereits getroffene Ratenvereinbarungen und Zahlungsnachweise.
Auch ältere Unterlagen sind wertvoll: Sie helfen, den Ursprung einer Forderung zu erkennen und die Zusammensetzung aus Hauptforderung, Zinsen und Kosten nachzuvollziehen.
2. Eine einfache Gläubigerliste
Legen Sie eine Übersicht an – eine Tabelle auf Papier genügt. Sinnvolle Spalten sind: Gläubiger, ursprünglicher Anlass, aktueller Betrag, Aktenzeichen, zuständiger Ansprechpartner, Stand des Verfahrens und Datum des letzten Schreibens. Bei abgetretenen Forderungen notieren Sie zusätzlich den ursprünglichen Gläubiger, weil dieselbe Forderung sonst doppelt erscheinen kann.
3. Einkommensnachweise
- Lohn- oder Gehaltsabrechnungen der letzten Monate,
- Bescheide über Sozialleistungen, Rente oder Arbeitslosengeld,
- Nachweise über Kindergeld, Unterhalt oder Wohngeld,
- bei Selbstständigkeit: aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung, letzter Steuerbescheid.
4. Kontounterlagen
Kontoauszüge der letzten drei bis sechs Monate sind besonders nützlich, weil sie das tatsächliche Ausgabeverhalten zeigen – oft genauer als jede Schätzung. Ergänzen Sie Unterlagen zu allen genutzten Konten, Kreditkarten und, falls vorhanden, zum Pfändungsschutzkonto samt Bescheinigung.
5. Laufende Kosten und Verträge
- Mietvertrag, aktuelle Betriebskostenabrechnung, Nachweise über Mietrückstände,
- Verträge und Abrechnungen für Strom, Gas, Wasser, Heizung,
- Telekommunikations- und Internetverträge, Abonnements,
- Versicherungspolicen und Beitragsrechnungen,
- Unterlagen zu Fahrzeugen: Finanzierung oder Leasing, Versicherung, Steuer,
- Nachweise über Unterhaltsverpflichtungen.
6. Kredit- und Finanzierungsunterlagen
Dazu gehören Kreditverträge mit Tilgungsplänen, Angaben zu Dispositionskrediten, Ratenkäufen und Finanzierungen sowie Unterlagen zu Restschuldversicherungen und zu Bürgschaften, die Sie übernommen haben. Auch Vereinbarungen, an denen Angehörige beteiligt sind, sollten erfasst werden.
7. Persönliche Unterlagen
- Ausweisdokument,
- Meldebescheinigung, falls vorhanden,
- Nachweise zur Familiensituation, etwa Heirats-, Scheidungs- oder Geburtsurkunden,
- Unterlagen zu Vermögen: Sparguthaben, Bausparverträge, Lebens- und Rentenversicherungen, Immobilien.
8. Selbstauskunft bei Auskunfteien
Eine kostenlose Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO können Sie bei Auskunfteien anfordern. Sie zeigt, welche Einträge zu Ihrer Person gespeichert sind, und deckt manchmal Forderungen auf, die Ihnen nicht mehr präsent waren. Gleichzeitig hilft sie, veraltete oder fehlerhafte Einträge zu erkennen. Die Verbraucherzentralen erklären auf verbraucherzentrale.de, wie Sie dabei vorgehen.
So ordnen Sie die Unterlagen
Bewährt hat sich ein Ordner mit einem Register pro Gläubiger, in dem die Schreiben chronologisch abgelegt werden – das neueste oben. Eine digitale Kopie als Scan oder Foto ist zusätzlich sinnvoll, damit nichts verloren geht. Notieren Sie auf jedem Vorgang das Eingangsdatum, insbesondere bei förmlich zugestellten Schreiben, weil dort Fristen laufen können.
Was tun, wenn Unterlagen fehlen? Fordern Sie fehlende Rechnungen, Verträge oder Forderungsaufstellungen schriftlich beim Gläubiger an. Bei Kontobewegungen hilft die Bank weiter. Warten Sie nicht, bis die Sammlung vollständig ist: Beginnen Sie mit dem, was vorliegt, und ergänzen Sie fortlaufend. Ein unvollständiger, aber geordneter Überblick ist deutlich besser als gar keiner.
Der nächste Schritt
Sobald Forderungen, Einnahmen und Ausgaben nebeneinander liegen, lässt sich eine sachliche Frage beantworten: Welcher Betrag steht monatlich dauerhaft zur Verfügung? Auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, ob eine Ratenlösung tragfähig ist oder ob ein anderer Weg geprüft werden sollte.
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